Die Brandbekämpfung in der Neuzeit

- 75 Jahre Freiwillige Feuerwehr Wörrstadt -

 

 

Geschichtlicher Überblick über den Brandschutz in Wörrstadt

 

75 Jahre besteht sie nun, unsere Freiwillige Feuerwehr in Wörrstadt, dem sympathischen Herzen Rheinhessens. 75 Jahre sind unbestritten eine lange Zeit, in der unglaublich viel geschehen ist: Technische Entwicklungen, politische Veränderungen, Kriegszeiten, Friedenszeiten, Armut und Überfluss. Doch stellen sie nur einen kleinen Ausschnitt der Geschichte des Brandschutzes in Wörrstadt dar: Schon seit Jahrhunderten ist der Brandschutz eine Aufgabe der sich stetig wandelnden Gesellschaft. Es ist eine Geschichte voller Mut, Kameradschaft, Tapferkeit und Zusammenhalt, aber auch von Katastrophen, Leid, Verlust und Tod. Sie beginnt mit der unbestritten größten Katastrophe die sich jemals in unserer 771/772 erstmals urkundlich erwähnten Gemeinde ereignet hat:

 

 

Die Brandbekämpfung im Mittelalter

Im Mittelalter war die typische Bauweise ländlicher Gemeinden sehr gedrängt und die Gebäudeanordnung erscheint uns heute als eher ungeordnet. Vorherrschende Baumaterialien waren Holz und Lehm für Wände und Decken, die Bedachungen waren aus Stroh. Kleinste Feuer konnten sich so damals in rasender Geschwindigkeit zu Feuersbrünsten entwickeln, die ganze Siedlungen in nur einer Nacht in Schutt und Asche legten. Auch unser Wörrstadt hatte in jener Zeit diese typische Bauweise aufzuweisen. Dadurch hatte im Jahre 1587 ein Feuerteufel leichtes Spiel:

 

Der Mann namens Kandengießer legte in mehreren Anwesen Feuer, die rasch zusammenwuchsen und in wenigen Stunden insgesamt 134 Häuser mit allen Nebengebäuden und Stallungen vernichteten.

 

Die alte Weed

 

In jener Zeit gab es keinerlei organisierte Feuerbekämpfung. Kam es zu einem Brand, so wurde wie selbstverständlich die Bekämpfung zur Gemeinschaftsaufgabe aller dazu fähigen Siedlungsbewohner. Lediglich die Ausstattung der Gemeinde mit ledernen Feuereimern war im ausklingenden Mittelalter und in der beginnenden Industrialisierung geregelt: Wollte jemand in Wörrstadt zum Bürger werden oder wollte ein Paar heiraten, so wurde von den nach 1783 7/8 von Wörrstadt besitzenden Rheingrafen von Grumbach verfügt, dass ein Feuereimer finanziert und im Rathaus deponiert werden musste.

 

 

Die Brandbekämpfung in der Neuzeit

Die zu Beginn der Neuzeit über unser Land hereinbrechenden Kriege machten exaktere administrative Eingriffe in das Feuerlöschwesen notwendig. Viele Landesherren erließen Feuerordnungen, um Regelungen einzuführen, nach denen Feuer zu verhüten und zu bekämpfen war. Auf Basis dieser Feuerordnungen wurde man in Wörrstadt dazu veranlasst, vier Feuerlöschteiche, sogenannte Weeden, anzulegen. Sie wurden an Plätzen errichtet, die heute' allesamt von Brunnen geziert werden. So befand sich die größte Weed, die "Alte Weed", auf dem heutigen Platz vor dem Neunröhrenbrunnen ( Ecke Pariserstraße & Friedrich-Ebert Straße ). Weitere Weeden befanden sich in der Friedrich-Ebert Straße ( heute: Schmiedebrunnen ), in der Pfarrgasse ( heute: Axtebrunnen ) und in der Hermannstraße ( heute: Backesbrunnen ). Aus diesen Weeden wurde im Brandfall mit hölzernen oder ledernen Feuerlöscheimern in Gemein­schaftsarbeit das Löschwasser zum Brandherd gefördert.

 

Alarmiert wurden die Bürger durch das Sturmleuten der Kirchenglocken. Der große, deutsche Dichter Friedrich Schiller, schildert als Zeitzeuge in seinem "Lied von der Glocke", den oft machtlosen Versuch der Menschen, den Kampf mit dem Feuer aufzunehmen.

 

Friedrich Schiller: .. Lied von der Glocke"

Alles rennet, rettet, flüchtet,

taghell ist die Nacht gelichtet.

Durch der Hände lange Kette um die Wette

fliegt der Eimer; hoch im Bogen spritzen Quellen, Wasserwogen.

Heulend kommt der Sturm geflogen, der die Flamme brausen sucht.

Prasselnd in die dürre Frucht fällt sie in des Speichers Räume,

in der Sparren dürre Bäume, und als wollte sie im Wehen

mit sich fort der Erde Wucht reißen in gewalt'ger Flucht,

wächst sie in des Himmels Höhen riesengroß! ­Hoffnungslos

weicht der Mensch der Götterstärke: müßig sieht er seine Werke

und bewundernd untergehen.

 

 

Die erste organisierte Feuerwehr

Im Jahre 1818 fiel Rheinhessen dem Großherzogtum Hessen zu. Die hessische Regierung hatte schon 1816 damit begonnen, eine für ihren Wirkungsbereich allumfassende Regelung zur Brandbekämpfung und Brandverhütung zu treffen. Doch bis zur Jahresmitte 1818 war dieser Versuch noch immer nicht von Erfolg gekrönt. So überließ es die großherzogtümliche Regierung im Sommer 1818 dem "Eifer der Ortsvorstände" dort so genannte "Feuer-Compagnien" aufzustellen, wo die übergeordnete Regierung eine Feuerspritze anschaffte. Anfang Januar des Jahres 1819 kam auch Wörrstadt in den Genuss einer solchen Feuerspritze. Sie stellte mit Sicherheit eine nicht unerhebliche Verbesserung des Brandschutzes in unserer Gemeinde dar. Aus heutiger Sicht muss man jedoch davor warnen, den Wirkungsgrad dieser Geräte zu überschätzen. Die Feuerspritze musste noch mit den althergebrachten Löscheimern befüllt werden, ihre Reichweite war sehr gering und die Arbeit.

 

Mit dem Gerät auf das Höchste Kräfte zehrend und gefährlich. War ein Gebäude in Brand geraten, so war man ab 1819 mit der Feuerspritze im Stande, wenigstens das Schadensmaß auf einige Gebäude zu begrenzen. Um die Ausdehnung des Feuers zu verhindern, wurde in jener Zeit die Arbeit mit der Feuerspritze häufig vom Einreißen umliegender Gebäude mit dem Einreißhaken begleitet. Zur Rettung des Dorfes mussten Einzelne oft große und schmerzhafte Verluste in Kauf nehmen.

 

Erste Spritze

 

Der damalige Bürgermeister Axt nahm den großen Brand des Kirchturms im Januar 1819 zum Anlass, sich intensiv mit bestehenden Regelungen zur Aufstellung der "Feuer-Compagnien" zu befassen. Anhand der Aufstellungen benachbarter Städte teilte er am 7. September 1819 vor der versammelten Gemeinde mit, von nun an seien mehr als 150 Männer der Gemeinde mit einer Funktion in der "Feuer-Compagnie" betraut.  Die Funktionen der Mitglieder reichten vom Wasserträger über den Pumpenmann bis hin zum Schlauchführer. Zu diesen 150 Männern kamen noch weitere zwölf, die als Feuerreiter eingeteilt waren und im Brandfall Hilfe aus anderen Orten herbeiholen sollten. Des weiteren wurden nochmals zwölf Mann zur "Sicherheitsgarde" ernannt, von denen im stetigen Wechsel jeweils vier nächtlich im Ort patrouillierten. Sie hatten nicht nur Brandschutzaufgaben, sondern sollten auch "sich in diebischer Absicht einschleichendes Gesindel" in die Flucht schlagen. Somit bestand die erste organisierte Feuerwehr in Wörrstadt aus insgesamt 174 dazu verpflichteten Männern. Sollte durch Krankheit oder Tod jemand aus dem Dienst ausscheiden müssen, wurde vom Bürgermeister sofort für Ersatz gesorgt. Zusätzlich wurde der Personal- und Materialbestand alle sechs Jahre general überarbeitet. Zusätzlich zu dieser Personal Regelung wurde gleichzeitig verfügt, welche Löschmittel in Wörrstadt vorgehalten werden mussten. Noch bevor die "Feuer-Compagnie" Wörrstadt namentlich benannt wurde, konnten die vorgeschriebenen drei Feuerleitern, drei Feuerhaken und 240 ledernen Feuereimer im Rathauskeller eingelagert werden. Diese Regelungen hatten ohne jede Veränderung fast fünf Dekaden Bestand. Erst 1866, als die Gemeinde von einer Feuerversicherung eine weitere Feuerspritze geschenkt bekam, musste die Mannschaft um einen nicht überlieferten Personalbestand erweitert werden.

 

 

Die ersten Freiwilligen Feuerwehren in Deutschland

Der Mainzer Schornsteinfegermeister Carl Weiser verfasste 1855 das Handbuch "Die deutsche Feuerwehr". In diesem Werk trat er für eine stramm organisierte und gut ausgebildete Wehrstruktur aus Freiwilligen ein. Eine einheitliche Uniform sollte die von ihm hoch geachteten Tugenden:

 

Disziplin, Nächstenliebe, Pflichtbewusstsein und Einsatzfreude über "alle Stände" hinweg, dokumentieren. Nach seinen eigenen Idealen gründete er kurz darauf in Mainz die erste Rheinhessische Freiwillige Feuerwehr. Nach diesem Vorbild entstanden in den Folgejahren mehr und mehr Freiwillige Feuerwehren in Rheinhessen, die häufig aus den örtlichen Turnvereinen hervorgingen und deshalb auch "Turner-Feuerwehr" hießen.

 

 

Das erste Spritzenhaus

In Wörrstadt musste im Jahre 1842 das alte Rathaus an der Ecke Große Albanusstrasse und Pariserstraße dem Straßenneubau von Wörrstadt nach Bingen weichen. Kurz darauf wurde das neue Rathaus mit integriertem Friedensgericht in Wörrstadt eingeweiht. Durch administrative Veränder­ungen wurde aus dem Friedensgericht schnell das Amtsgericht und Wörrstadt wurde fortan nicht mehr dem Landkreis Alzey zugerechnet, sondern bildete mit dem ehemaligen Kanton Oppenheim den Landkreis Oppenheim. Durch diese gestiegene Verwaltungs- und Gerichtsverantwortung hatte das Amtsgericht in den Folgejahren mehr und mehr Raum gefordert. Schon kurze Zeit nach der Einlagerung der Feuerlöschgeräte im Keller des Neubaus mussten alle Materialien wieder ausgelagert werden, um Platz für neue Gerichtsräume und ein Gerichtsarchiv zu schaffen. Somit war die Gemeinde in der Situation, neue Räume für die Gerätschaften des Brandschutzes schaffen zu müssen. In der Zeit von 1843 bis 1857 wurde geplant, ein geeigneter Platz gefunden und gebaut. Das Spritzenhaus in der Friedrich-Ebert Straße entstand just an der Stelle, wo sich heute der Schmiedebrunnen befindet. Besitzrechtlich gehörten damals 19/63 des Spritzenhauses der Gemeinde Wörrstadt und der Löwenanteil von 44/63 dem Land Hessen. Dies blieb auch so bis zum Jahre 1900, als auch in Hessen der napoleonische "Code civile" durch das "Bürgerliche Gesetzbuch" abgelöst wurde. Auf Basis dieses neuen Gesetzes kündigte das Land der Gemeinde ihren Anteil von 19/63 des Besitzes auf und entschädigte die Gemeinde finanziell. Die Nutzung des Spritzenhauses als solches war aber dennoch weiterhin möglich. Lediglich die Besitzrechte hatten sich verändert.

 

Zweite Spritze

 

Für die damals stattliche Abfindung konnte die Gemeinde drei weitere Gebäude im Ort in Gemeindebesitz bringen. Das Gebäude gegenüber der heutigen Polizeidienststelle "Alte Post", das damalige Gasthaus "Zur Traube" und das heutige Rathaus, welches damals für 20.250 Mark in Gemeindebesitz kam.

 

 

Um die Jahrhundertwende

Im Jahre 1890 konnte für Wörrstadt eine dritte Spritze angeschafft werden. Zusätzlich wollte man ein Gerät in Dienst stellen, um Personenrettung aus den oberen Stockwerken höherer Gebäude zu ermöglichen. Man entschied sich im gleichen Jahr für die Anschaffung eines Steigerkarrens.

 

Doch die neuen Geräte brachten nicht nur Segen, sondern auch Probleme mit sich: Schon jetzt, nur grob 30 Jahre nach dem Bau des Spritzenhauses, war das Haus nicht mehr in der Lage, alle Gerätschaften aufzunehmen. Somit wurde verfügt, dass der neue Steigerkarren in die Toreinfahrt des neuen und auch heutigen Rathauses untergestellt werden sollte. Nur sechs Jahre darauf, also 1896, veranlasste der damalige Kreisfeuerwehrinspektor die Gemeinde Wörrstadt, zwei weitere Feuerleitern anzuschaffen. Diese fanden gerade noch so im Spritzenhaus Platz. Zusätzlich konnten erste Hydrantenschlüssel angeschafft werden, da in den niedrigst liegenden Gemeindeteilen erste Hydranten an die ortseigene Wasserleitung angebaut worden waren. Als 1906 das große Gruppenwasserwerk in Betrieb genommen wurde, stand von nun an im gesamten Ortsbereich eine ausreichende Zahl Hydranten für Feuerlöschzwecke zur Verfügung. Dies begründete die sofortige Anschaffung eines Hydrantenkarrens, ebenfalls noch im Jahre 1906. Nur unter Auslagerung einiger selten benötigter Gerätschaften in Privathäuser und Scheunen konnte der neue Karren im beengten Spritzenhaus untergebracht werden. An dieser Situation änderte sich bis zur Besatzungszeit 1919/20 rein gar nichts. Als die Franzosen in Wörrstadt einzogen, nahmen sie das Spritzenhaus als Truppenunterkunft in Anspruch. Zu dieser Zeit wurden alle Gerätschaften der Feuerwehr im Hause Ritzinger am Neutor untergestellt. Nachdem die Franzosen unsere Gemeinde wieder verlassen hatten, konnten alle Geräte wieder in gewohnter Manier untergebracht werden. Auch der Steigerkarren kam wieder in die Toreinfahrt des Rathauses.

 

Spritzenhaus

 

 

Versuche der Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr in Wörrstadt

Schon lange bevor 1890 durch eine Gesetzesnovelle die Bildung Freiwilliger Feuerwehren in Deutschland empfohlen wurde, sah das Kreisamt Oppenheim die Aufstellung einer Freiwilligen Feuerwehr in Wörrstadt als Notwendigkeit an. 1882 wurde dieses Vorhaben im Wörrstädter Gemeinderat beraten und die Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr aufgrund nicht gegebener Notwendigkeiten abgelehnt. Weitere drei Versuche in der Folgezeit scheiterten ebenfalls an der Zustimmung des Gemeinderates. Ablehnungsbegründungen führten auf, dass Feuerwehr­feste die Gemeinde in unnötige und enorm hohe Kosten stürzen würden, dass das Vereinsleben in Wörrstadt bereits so stark ausgeprägt sei, dass es keiner weiteren Vereine mehr bedürfe, und zum dritten, dass Familienväter durch die Feuerwehrfeste mit überflüssigen Geld­aufwendungen belastet würden.  Kurz nachdem auch der vierte Anlauf der Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr in Wörrstadt im Gemeinderat scheiterte, lehnte man auch den Vorschlag des Kreisfeuerwehrinspektors ab, in Wörrstadt eine dritte, vierrädrige Spritze moderner Bauart, also mit Saugvorrichtung, anzuschaffen. Man begründete dies mit der Aussage, dass die langjährige Erfahrung zeige, die vorhandenen Löschmittel seien absolut ausreichend. Eine Saugspritze sei nur zur Zierde, sehr teuer und daher unnötig. Hiernach wurde es einige Jahre eher ruhig um das Thema Feuerwehr in Wörrstadt. Erst 1909 wurde ein erneuter Versuch gestartet eine Gründung herbeizuführen. Doch auch dieser fand ein jähes Ende in der Beratung des Gemeinderates. Bürgermeister Christ, der diesem Gemeinderat vorstand, verstarb 1913. Er hatte zu Lebzeiten die Anschaffung einer Saugspritze immer kategorisch abgelehnt. Wie man heute meint, hatte er nicht erkannt, dass der von ihm mit äußerster Weitsicht unterstütze Bau der gemeindeeigenen Wasserleitung mit den noch heute vorhandenen  "Patentlaufbrunnen" und die Anschaffung einer Saugspritze den Einsatz von Löscheimern völlig überflüssig gemacht hätte. Im gleichen Zuge ließ Christ die im vorigen Jahrhundert angelegten Weeden entfernen, da es zu einer Häufung von Ertrinkungsunfällen bei Kindern gekommen war.

 

Aber auch hier zeigte sich die famose Weitsicht dieses Mannes. Er ließ die Weeden nicht einfach nur verfüllen, sondern als Zisternen mit großem Fassungsvolumen einwölben. Sie stehen der Feuerwehr in Wörrstadt heute noch als große innerörtliche Löschwasservorräte zur Verfügung. Nach Bürgermeister Christs Ableben wurde 1914 Bürgermeister Krämer in sein Amt eingeführt. Kurz darauf brach der 1. Weltkrieg aus und alle wehrfähigen Männer wurden zum Dienst an der Waffe eingezogen. Der örtliche Brandschutz wurde in dieser Zeit durch Männer und Jugendliche getragen, die für den Dienst an der Waffe ungeeignet oder schlicht zu jung waren. An die Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr war während des Krieges und insbesondere nach dessen unglücklichem Ausgang und der Besatzung durch die Franzosen in keiner Weise zu denken. Die Besatzer hätten mit Sicherheit einer Uniformierung die Zulassung verwehrt.

 

 

Die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Wörrstadt

Eigentlicher Auslöser für die erfolgreiche Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Wörrstadt war ein dramatischer Scheunenbrand im Winter des Jahres 1925. In der Marktstraße entstand nicht nur hoher Sachschaden, zu den getöteten Nutztieren kam noch hinzu, dass um ein Haar ein Übergreifen auf mehrere weitere Gebäude nicht mehr zu verhindern gewesen wäre.

 

Wie so häufig in der Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Wörrstadt wurden wichtige administrative Entscheidungen und Anschaffungen erst nach Katastrophen möglich.

Dennoch zogen sich die Gründungsverhandlungen den gesamten Winter 1925/26 hin. Erst im März 1926 erfolgte dann eine gütliche Einigung: Die Gründung wurde gestattet. Exakt 80 Freiwillige Männer erklärten stolz ihren Beitritt in die Freiwillige Feuerwehr Wörrstadt. Mit einem Zuschuss der Brandversicherungskammer konnte die Wehr eingekleidet werden. Am 9. Mai 1926 fand dann die erste Übung der Freiwilligen Feuerwehr Wörrstadt statt. Zum ersten Wehrführer, damals 1. Kommandant, wurde Georg Guttandin 111 bestimmt, der sich mit aller Kraft für die Gründung der Wehr eingesetzt hatte. Er führte die Wehr bis zum Jahre 1930, in dem er die Altersgrenze von 60 Jahren erreichte und sein Amt niederlegen musste. In seine Amtszeit fielen 1927 die Anschaffung einer mechanischen Schiebe leiter und 1929 die Anschaffung eines Trockenlöschgerätes. Beide Geräte konnten im Spritzenhaus untergebracht werden. Das nun vakante Führungsamt als 1. Kommandant übernahm fortan Herr Georg Thörle, der bekanntermaßen zu späterer Zeit auch das Amt des Ortsbürgermeisters bekleidete.

 

Gründungsmannschaft

 

 

Spielmannszug und Blasmusikzug werden gegründet

Nur wenige Monate nach der Gründung der Wehr im März 1926 wurde auch ein Spielmannszug aufgestellt, der aus vier Trommlern und acht Pfeifern bestand. Alle Mitglieder des Spielmannszuges und ihr Übungsleiter, Herr Heinrich Krämer 111, waren auch in der Wehr tätig. Man befand zu jener Zeit, dass fortan zur Alarmierung nicht mehr nur die Kirchenglocken geläutet und Hornsignale ausgestoßen werden sollten. Zusätzlich wurde dem Spielmannszug aufgetragen, im Alarm- und auch im Übungs- Fall möglichst laut aufspielend durch die Dorfstrassen zu ziehen. Was zu jener Zeit niemand wusste und auch glücklicherweise immer unerkannt blieb: Die Franzosen, also die damalige Besatzungsmacht, hatten die Aufstellung eines Spielmannszuges per Gesetz ausdrücklich als eine militärische Organisation untersagt. Im schlimmsten Fall hätten alle Mitglieder des Spielmannszuges sogar mit einer Inhaftierung rechnen müssen. So ging die Sache jedoch gut aus und das Vergehen blieb ungeahndet. Nicht Verboten zu jener Zeit waren Blaskapellen. So wurde 1927 zusätzlich zum Spielmannszug der "Blasmusikzug der Freiwilligen Feuerwehr Wörrstadt" gegründet. Niemand konnte damals erahnen, welche riesigen Erfolge dieser Musikzug in den ersten Jahrzehnten seines Bestehens noch haben sollte: Man konnte schon in den ersten Jahren nach der Gründung der Masse der Einladungen zu Festen, Umzügen und anderen Auftritten nicht mehr Herr werden. Hochgelobt und oftmals hochdekoriert kamen die Blasmusiker von Wettbewerben zurück in ihre Heimatgemeinde.  Väter dieser Erfolge waren mit Sicherheit der unvergessene Postsekretär Franz Wolf, der von der Gründung des Blasmusikzuges bis zu seinem Lebensende, als Musikzugführer unentgeltlich und mit größtem Engagement die Kapelle anführte und dessen Stellvertreter der Zugposaunist Heinrich Müller III

 

Blasmusikzug

 

Nach dem Krieg, in dem einige ausgezeichnete Musiker des Blasmusikzuges für ihr Vaterland fielen und gerade in den Folgejahren setzte ein langsamer, aber stetiger Zerfallsprozess der Kapelle statt. Es konnten kaum noch interessierte und junge Männer gefunden werden, die an den Übungsstunden teilnehmen wollten. Aus diesem Grund und aufgrund der Tatsache, dass viele der noch Aktiven schon ein hohes Alter erreicht hatten, wurde der Blasmusikzug der Freiwilligen Feuerwehr Wörrstadt 1972 dann endgültig aufgelöst. Ab 1978 kommen Freunde der Blasmusik in Wörrstadt wieder auf ihre Kosten. Seit dem besteht der eigenständige Musikverein Wörrstadt, mit dem die Freiwillige Feuerwehr bis heute ein inniges Freundschaftsverhältnis unterhält.

 

Hornisten des Blasmusikzugs

 

 

Die Zeit nach 1933

Die Machtergreifung der NSDAP im Jahre 1933 ging auch an der Freiwilligen Feuerwehr Wörrstadt nicht spurlos vorüber, obwohl in ihr alle politischen Lager des Spektrums gleichermaßen vertreten waren. Die Feuerwehr verstand sich nie als eine politische Gemeinschaft, sondern als eine Vereinigung derer, die als ihr ureigenes Ziel die Hilfsbereitschaft dem Nächsten gegenüber verfolgte.

 

Im Bericht des Schriftführers zur Vorstandssitzung am 28. Juni 1933 kann man nachlesen, dass ein Beauftragter der NSDAP beim Kommandanten Thörle vorgesprochen habe und verlangte, bis zum 5. Juli 1933 habe die "Gleichschaltung" in der Wehr Wörrstadt abgeschlossen zu sein. Er verlangte des weiteren, zwei in der NS-Bewegung Aktive müssten von nun an im engeren Kommando der Feuerwehr tätig werden. Dies läutete eine kurze Zeit ständiger Veränderungen in der Führungsstruktur der Freiwilligen Feuerwehr Wörrstadt ein: So wurde am 2. Juli in einer außerordentlichen Generalversammlung eine Umgruppierung in der Kommandantur der Wehr vorgenommen. Ab diesem Tag war Phillipp Mangold in den Posten des 2. Kommandanten erhoben. Er löste Philipp Ritzinger ab, der fortan zum 1. Führer der Hydrantenmannschaft ernannt wurde. Georg Thörle wurde als 1. Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Wörrstadt bestätigt. Nur wenige Monate darauf, am 24.11.1933, wurde erneut eine Änderung in der Führungsstruktur vorgenommen. Zu dieser Sitzung waren damals sowohl der Ortsbürgermeister als auch der Ortsgruppenleiter der NSDAP erschienen. Man verfügte, Georg Thörle könne von nun an sein Kommando wieder selbst bestimmen. So ernannte er Georg Guttandin IV zum 2. Kommandanten und Philipp Mangold übernahm wieder die Hydrantenmannschaft. Im Februar 1934 wurde auf Anordnung des Kreisfeuerwehrinspektors ein Stoßtrupp zum Zwecke des zivilen Luftschutzes aufgestellt. Philipp Ritzinger und Werner Wolf wurden als Führungskräfte eingesetzt. Dieser Einheit wurde zusätzlich zu den in Wörrstadt stationierten Gerätschaften ein Luftschutzkarren unterstelIt.

 

Drehleiter

 

Bis zum 13. September 1936 gab es keinerlei personelle Veränderungen in der Führungsstruktur der Wehr Wörrstadt. An diesem Tag wurde Georg Thörle erneut als "Wehrführer", wie die Führungsspitze der Freiwilligen Feuerwehr von nun an genannt wurde, in seiner Funktion bestätigt. Zu seinem Stellvertreter wurde Heinrich Hahner ernannt. Aufgrund eines Reichsgesetzes wurde die Feuerwehr kurz darauf in "Feuerlöschpolizei" umbenannt. Sie war als technische Hilfsformation der Ortspolizei­verwaltungen definiert. Die damals aktiven Kameraden hatten hierdurch den Status von Hilfspolizisten und waren gegenüber Zivilisten weisungsbefugt. Auch im Bezug auf Ausrüstung und Unterbringung stellten sich Veränderungen ein: Ebenfalls im Jahr der Olympischen Spiele von Berlin, 1936, konnte der Anbau eines Steigerturms unter Dach und Fach gebracht werden. Er hatte nicht nur die Funktion als Schlauchtrockenturm, sondern diente im Besonderen auch als Übungs- und Trainingsturm. Die Grundfläche des Spritzenhauses hatte sich jedoch trotz des Anbaus nur geringfügig vergrößert, weshalb die zuvor herrschende Platznot sich nur unerheblich verbesserte. Nicht zuletzt trugen hierzu auch die, zwar dringend notwendigen, 100m neuen Schlauchmaterials, bei, die bei der Einweihung des Steigerturms feierlich in Dienst gestellt werden konnten.

 

Fahne

 

Die mechanische Schiebeleiter und der neue Luftschutzkarren mussten also trotz des neuen Anbaus weiterhin in der Torfahrt des Rathauses untergebracht werden. Auch hier wurden rasch Veränderungen vorgenommen: Der gesamte Kellerbereich des Rathauses wurde umgebaut und zum Luftschutzraum erklärt. Schon 1937 sollten im Rahmen der Kriegsvorbereitungen in Wörrstadt regelmäßig Verdunklungsübungen mit Fliegeralarm durchgeführt werden. Hierzu wurde eine Luftschutzsirenen- anlage angeschafft und auf dem Rathaus installiert. Sie diente fortan auch zur Alarmierung der Feuerwehr. Und noch heute befindet sich eine Sirenenanlage auf dem Rathaus, die im Fall von großen Schadensereignissen alarmiert.  In der Reichskristallnacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurden auch in Wörrstadt viele von Juden bewohnte Häuser zerstört. SA-Männer zerstörten die gesamte Einrichtung der Synagoge in der Pfarrstrasse und steckten das Gebäude in Brand. Nur der Intervention des damaligen Wehrführers Thörle ist es zu verdanken, dass der Brand gelöscht werden durfte: Das Gebäude wurde später zu einem Wohnhaus umgebaut und dient noch heute als solches.

 

 

Die Freiwillige Feuerwehr Wörrstadt im 2. Weltkrieg

Als am 1. September 1939 die Wehrmacht in Polen einfiel waren bereits mehr als 50 Wörrstädter Männer, die vornehmlich der Infanterie unterstellt waren, am Feldzug beteiligt. In Wörrstadt waren zu diesem Zeitpunkt gerade die Kanalisierungs- und Pflasterungs- Arbeiten in der Hermannstraße abgeschlossen worden. Zuvor war schon der gesamte Ortsgraben kanalisiert worden. Viele Orts- und Verbindungsstraßen wurden im Zuge der angeordneten Verkehrswegeverbesserungen ausgebaut, kanalisiert oder gänzlich neu angelegt, um im Bedarfsfall schnellere Truppen- und Materialbewegungen zu ermöglichen. Ende September wurden dann erstmals Truppen in Wörrstadt stationiert: Knapp 400 Mann aus den siegreichen Armeen des Polenfeldzuges sollten den Bauern und Winzern bei der Arbeit zur Hand gehen.

 

Nachdem man 1940 einen der alten Spritzenwagen der Hermann-Göring­Spende gestiftet hatte, wurde im Kriegsjahr 1940 die erste Motorspritze der Wehr Wörrstadt beschafft. Eine Tragkraftspritze vom noch heute den Standard festlegenden Typ TS 8/8. Zum Gruppenführer der neuen Motorspritzengruppe wurde Johann Karl Krämer bestimmt. Zusätzlich bestimmte der Bürgermeister, dass der damals 15jährige Heinz Decher der verantwortliche Maschinist für die neue Tragkraftspritze sein sollte. Er übernahm diese Aufgabe bis zu seiner Einberufung in den Kriegsdienst im Jahre 1942.

 

LF 15

 

Am 30. Juni 1940 wurde Wörrstadt zum ersten mal bombardiert. Insgesamt 11 Bomben fielen auf unsere Gemeinde. Außer, dass der Zugverkehr für einen Tag durch Busse ersetzt werden musste, hatte der erste große Angriff keinerlei Folgen. In den Jahren 1940 und 1941 waren die Kriegsschäden im Ort eher gering ausgefallen, es gab nur geringe Zerstörungen und nur wenige Verletzte zu beklagen. Im Sommer 1942 erhöhten die Alliierten den Druck auf deutsche Städte und auch die Angriffe auf Wörrstadt nahmen von Tag zu Tag zu. Jetzt musste man sogar am Tage mit Fliegerangriffen rechnen. Nur ein einziges Mal im gesamten Krieg gelang es von Wörrstadt aus, ein alliiertes Flugzeug mit dem Flugabwehrgeschütz (FlaG) abzuschießen. Die kanadische Besatzung konnte sich mit dem Fallschirm retten, wurde gefasst und in der Bürgermeisterei eingesperrt. Die Feuerwehr leistete schon zu dieser Zeit Schwerstarbeit:

 

Immer wieder musste in die eigene oder in umliegende Gemeinden ausgerückt werden. Immer wieder die Gefahr, selbst Zielscheibe der Angriffe zu werden. Immer wieder Probleme mit der Löschwasserversorgung, Personalmangel. Junge, oft kaum geübte Männer aus der Gemeinde mussten die geübten aber sich im Kriegsdienst befindlichen Kameraden, im Bombardierungs- oder Brandfall ersetzen. Viele der Wasserleitungen in den Orten waren vom Bombenhagel zerstückelt. Von jedem Kameraden wurde das letzte abverlangt. Löschwasser musste häufig über lange Strecken zum betroffenen Gebäude transportiert werden. Unter heute unvorstellbaren Bedingungen konnte man den Bränden dennoch Herr werden.  Im Jahr 1943 beschloss man die sofortige Anschaffung einer zweiten Motorspritze für Wörrstadt. Man erhielt jedoch keine Tragkraftspritze, sondern ein Löschgruppenfahrzeug 15, mit 400 l Tank und neun Kabinensitzplätzen aus Wiesbaden.

 

 

Die Nachkriegszeit

Nur wenige Wochen nach Erteilung des Beschaffungsauftrages war das Fahrzeug bereits in Benutzung: Ohne die sonst üblichen feierlichen Begleiteffekte, ohne die sonst bohrenden Fragen nach Sinn und Unsinn des prinzipiell immer viel zu teuren Gerätes für die Feuerwehr.

 

In einer kräftezehrenden und heldenhaften Weise wurde im Spätherbst 1943 von Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Wörrstadt und von Freiwilligen am Austritt der Mühlbach aus dem Ort ein großes Staubecken errichtet. Es diente nur einem Zweck: Der Sicherstellung des Löschwasserbedarfs bei den nun schon zum täglichen Leben gehörenden Fliegerangriffen. Sofort danach begann man, an allen Straßen im Ort und längs der Bahnstrecke Splittergräben zu graben. Die Bahnstrecke erwies sich schon bald darauf als ein immer beliebteres Ziel der Bombardements. Es verkehrten nur noch zwei Zugpaare am Tag zwischen Alzey und Mainz:

 

Einmal morgens im Schutz der Dämmerung und einmal spät am Abend im Schutz der Dunkelheit. Dennoch wurde am späten Abend des 24. Dezembers 1943 ein Zug der Reichsbahn zum Ziel eines Fliegerangriffs, als er in den Wörrstädter Bahnhof einfahren wollte. Er wurde trotz der Erwiderung des Feuers mit dem damals üblichen Zug-FlaG völlig zerstört. Von diesem Angriff sind noch heute viele Einschusslöcher in den Außenwänden des Bahnhofs zu sehen.

 

Bombenschäden am Haus Wolf

 

Probleme gab es in der Folgezeit mit den vielen Heimkehrern, die man wegen der Höchstzahl von 28 Mitgliedern nicht wieder in ihrer Feuerwehr einreihen durfte. Auch gelang es trotz mehrfacher Anregung nicht, Georg Thörle wieder als Wehrführer einzusetzen. Die Franzosen lehnten dies strikt ab.

 

Kurz nach der Gründung der Bundesrepublik Deutschland am 21.September 1949 wurde von der neuen Landesregierung, des von den Alliierten am Kartentisch konstruierten Bundeslandes Rheinland-Pfalz, eine Neuordnung des Feuerlöschwesens beschlossen. Diese sah keine Limitierung der Mitgliederzahl von Freiwilligen Feuerwehren mehr vor. Somit konnten die Kameraden, die durch die Festsetzung der Mitgliederzahl auf 28 ausgeschlossen waren, wieder in die Freiwillige Feuerwehr Wörrstadt eintreten. Schnell stieg die Mitgliederzahl wieder über 50 Männer. Noch im gleichen Jahr wurden freie Wehrführerwahlen durchgeführt. Als neuer Wehrführer konnte feierlich Herr Georg Thörle wieder eingesetzt werden, der dieses Amt bereits von 1930 - 1945 bekleidet hatte.

 

 

"Die fünfziger Jahre"

Im Jahre 1952 zeichnete man 25 Wörrstädter Kameraden mit der Silbernen Ehrennadel des Landes Rheinland-Pfalz für ihr langjähriges Engagement aus. Eine solch große Anzahl Wehrmänner aus Wörrstadt wurde danach nie wieder an einem Tag auf Landesebene geehrt.

 

Im Jahre 1954, in dem die Nationalmannschaft um Fritz Walter Deutschland den ersten großen Triumph seit der Gründung der BRD schenkte, vollendete Georg Thörle das sechzigste Lebensjahr. Damals wie heute sah das Landes-Brand und Katastrophenschutzgesetz eine Altersgrenze von 60 Jahren für den Aktiven in Freiwilligen Feuerwehren vor. Somit musste Georg Thörle 1954 sein Amt als Wehrführer niederlegen und aus dem aktiven Dienst der Feuerwehr Wörrstadt ausscheiden. Er leistete insgesamt 26 vorbildliche Dienstjahre für die Feuerwehr Wörrstadt, davon 21 als Wehrführer oder 1. Kommandant! Bei den notwendigen Neuwahlen wurde Fritz Diehl zum neuen Wehrführer gewählt. Er bekleidete dieses Amt bis zum Frühjahr des Jahres 1956. Nach seinem Ausscheiden ernannte man übergangsweise Philipp Guttandin zum Wehrführer. Bei den Neuwahlen im Herbst 1956 wurde Karl Trautwein zum neuen Wehrführer gewählt und kurz darauf vom Bürgermeister in sein Amt erhoben.

 

 

"Die sechziger Jahre"

Viele Dinge blieben bis in die 60'er so, wie sie schon vor dem Krieg waren:

 

Der Platzmangel im Spritzenhaus war noch immer ein riesiges Problem. Noch extremer wurden die Probleme, als 1961 ein neues Tanklöschfahrzeug TLF16, mit 24001 Wassertank, angeschafft werden konnte. Obwohl man im Gegenzug das alte LF15 verkaufte, war es nahezu unmöglich, sich im alten Spritzenhaus auch nur umzudrehen. Nach wenigen Wochen begann der Boden unter dem neuen Tanklöschfahrzeug langsam nachzugeben und das Einstürzen der darunter liegenden Zisterne war zu befürchten. So reifte der Plan zum Bau eines neuen Feuerwehrhauses. 1964 baute die Wehr in Eigenleistung einen gebrauchten Jeep um, der fortan als Zugfahrzeug für den Schlauchwagen dienen sollte. Er bot Platz für Fahrer und Beifahrer. Als 1966 ein weiteres Fahrzeug seinen Weg in unsere Gemeinde fand, ein Tragkraftspritzenfahrzeug auf Ford- Transit Basis, musste schließlich gehandelt werden: Die Planungen zum Neubau eines Feuerwehrhauses nahe des neuen Baugebiets "Zum Römergrund" wurden intensiviert.

 

Das Tragkraftspritzenfahrzeug bot wie üblich Platz für eine gesamte Löschstaffel bestehend aus einem Gruppenführer und fünf weiteren Kameraden. Mit den sechs Sitzplätzen des Staffelfahrzeugs TLF16 konnten also nach 1966 bis zu 14 Kameraden mit den Feuerwehrfahrzeugen in den Einsatz oder zur Übung fahren.

 

Fahrzeugausstattung

 

Ebenfalls im Jahre 1966 stand Karl Trautwein fortan nicht mehr als Wehrführer zur Verfügung. Exakt ein Jahrzehnt nach seiner Ernennung legte er sein Amt nieder. Die folgenden und notwendigen Neuwahlen erbrachten, dass Fritz Scheidt der neue Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Wörrstadt werden sollte. Er wurde kurz darauf vom Bürgermeister zum neuen Wehrführer ernannt und feierlich in sein Amt eingeführt. Noch immer beriet man mehrere Modelle für eine neue Feuerwache: Nach Verabschiedung eines der vorgestellten Konzepte im Gemeinderat und Abschluss der Bauplanung konnte im Spätherbst 1968 mit dem Bau der Feuerwache in der Straße "Zum Römergrund" begonnen werden. Der Flachdachbau sollte Einstellraum für fünf Fahrzeuge, einen Arbeitsraum zur Fahrzeugpflege, einen Aufenthalts- und Unterrichtsraum, einen Heizraum und einen kombinierten Toiletten- ,Wasch- und Duschraum, bieten. Die Flügeltore sollten verglast und schnell und einfach zu öffnen sein. Die Bauarbeiten gingen präzise und zügig voran und auch das Wetter war entsprechend gut, weshalb bereits am 10.März 1969 die feierliche Einweihung durchgeführt werden konnte.

 

Wache Römergrund

 

 

"Die siebziger Jahre"

Im Jahre 1971 beschloss man in Rheinland-Pfalz eine Verwaltungsneuordnung, die eine administrative Gliederung der Landkreise in untergeordnete Verbandsgemeinden und Kreisfreie Städte vorsah. Wörrstadt wurde zum Sitz einer Verbandsgemeindeverwaltung bestimmt, der man insgesamt dreizehn Gemeinden zuordnete. In Wörrstadt wurde sofort mit dem Bau einer Verbandsgemeindeverwaltung begonnen. 1972 konnte der Bau feierlich in Dienst gestellt werden. In den Folgejahren wurden den Verbandsgemeinden immer mehr Funktionen unterstellt. So auch 1975 der örtliche Brandschutz. Zum höchsten Kommandanten, und damit allumfassend Verantwortlichen der Freiwilligen Feuerwehren einer Verbandsgemeinde, war der Verbandsbürgermeister bestimmt.  Im Jahre 1974 konnte eine Anhängeleiter vom Typ AL 18 mit 18m Steighöhe angeschafft werden. Nur wenige Tage nach der Anschaffung der neuen Leiter wurde unter Wehrführer Fritz Scheidt eine Angriffsübung auf den Kirchturm der evangelischen Kirche durchgeführt. Hierbei konnte sich die Wehrführung davon überzeugen, dass bei rechtzeitigem Alarm eine Brandkatastrophe wie im Januar 1819 nicht mehr möglich ist. Mit Hilfe der Anhängeleiter war nun auch der Kirchturm mit dem Löschmittel erreichbar.  Kurz darauf konnten die ersten umluftunabhängigen Atemschutzgeräte in der Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Wörrstadt angeschafft werden. Sie ermöglichten von nun an, dass bei Bränden in geschlossenen Räumen eine Verletzung oder Schädigung der Kameraden durch Rauchgase auf ein minimales Risiko herabgesetzt wurden. Bis zu 25 Minuten bei geringerer Belastung konnten die Preßluftatmer den Träger mit insgesamt 16001 Atemluft versorgen. Dies stellte ein monumentale Verbesserung des Brandschutzes in Wörrstadt dar: Von nun an waren auch Menschen in völlig verqualmten Räumen durch unsere Wehr zu retten.  Im Jahre 1976 feierte die Freiwillige Feuerwehr Wörrstadt ihr fünfzigjähriges Bestehen. Nachstehend abgebildet das Jubiläumsfoto von 1976:

 

Jubiläumsfoto

 

Die großen Feierlichkeiten wurden über vier Tage abgehalten. Gekrönt war die Veranstaltung durch einen großen Umzug durch die gesamte Gemeinde Wörrstadt, an dem auch viele Nachbarwehren und andere Vereine teilnahmen.

 

 

"Die achtziger Jahre"

Der größte Einsatz des Jahrzehnts war wohl der Brand des Supermarktes "Depot" im Jahre 1984. Ein technischer Defekt war die Ursache für die Entzündung des Gebäudes. Beim Eintreffen der Freiwilligen Feuerwehr Wörrstadt stand das Gebäude an der Kreuznacher Straße schon im Vollbrand. Die Flammen schlugen viele Meter hoch aus dem Dach des Supermarktes und die Rauchsäule war über viele Kilometer zu sehen. Das Gebäude konnte trotz des massiven Einsatzes der Feuerwehr Wörrstadt nicht gerettet werden und brannte bis auf die Grundmauern nieder. Der Markt wurde später leicht verändert wieder errichtet und befindet sich noch heute an diesem Ort.  Im Sommer 1986 konnte das nunmehr 25 Jahre alte TLF 16/25 auf Magirus-Deutz, durch ein neues TLF 16/25 auf Mercedes-Benz ersetzt werden. Das 220PS starke Allradfahrzeug mit Seilwinde und Staffelbesatzung verrichtet noch heute seinen Dienst bei der Freiwilligen Feuerwehr Wörrstadt. Das alte TLF wurde nicht verschrottet, sondern einer Feuerwehr in der Südpfalz übergeben, wo es noch viele Jahre dem Brandschutz diente.

 

Brand Depot

 

Im gleichen Jahr setzte sich eine neue Alarmierungstechnologie auch in Wörrstadt durch: Die FunkmeIde­empfänger. In jenem Jahr wurden vier dieser Geräte für Wörrstadt beschafft. Sie ermöglichen die Alarmierung der Feuerwehr ohne Sireneneinsatz. Zusätzlich erfährt der Feuerwehrkamerad schon bei der Alarmierung, welche Schadenslage vorliegt und kann sich mental auf seinen Einsatz vorbereiten. Heute trägt eine große Zahl der Wehrmänner einen solchen Funkmeldeempfänger Tag und Nacht bei sich. Nur noch in seltensten Fällen wird in Wörrstadt eine Alarmierung per Sirene notwendig.

 

Im Spätjahr 1988 entstand in der Freiwilligen Feuerwehr Wörrstadt der Gedanke, die Mitgliedersituation der aktiven Feuerwehr auf Dauer zu sichern. Aus diesem Grund wollte man eine Jugendfeuerwehr gründen, aus der geeignete Jugendliche später in die aktive Wehr übernommen werden sollten. Im Frühjahr 1989 war es dann soweit. 20 Jungen im geeigneten Alter wurden mit Uniformen für die Jugendfeuerwehr eingekleidet. Danach gründete man die Jugendfeuerwehr Wörrstadt offiziell. Schon Mitte der neunziger Jahre konnten die ersten Kameraden aus der Jugendfeuerwehr in den aktiven Dienst übernommen werden. Heute besteht die Einsatzmannschaft und somit der Kern der Aktiven Wehr, zu weit mehr als der Hälfte aus Kameraden, die der Jugendfeuerwehr entstammen.

 

Ende der achtziger Jahre war das jährliche Einsatzaufkommen schon auf etwa 30 Einsätze angewachsen und die Feuerwache gegenüber der Verbandsgemeindeverwaltung erwies sich für die zukünftigen Aufgaben der Freiwilligen Feuerwehr Wörrstadt als viel zu klein. Erneut wurden in endlosen Sitzungen des Gemeinde- und Verbandsgemeinderats viele mögliche Konzepte geprüft, ehe man sich für den Neubau einer Feuerwache in der Pariserstraße entschied. Ausschlaggebend für den neuen Standort mag nicht zuletzt auch die Tatsache gewesen sein, dass von diesem Ort aus die Auffahrt auf die Autobahn A63 ohne große Höhenunterschiede und auf sehr kurzem Wege möglich ist. Die Freiwillige Feuerwehr Wörrstadt ist seit der Fertigstellung des Autobahnteilstücks von Mainz bis Alzey für etwa 30km Fahrbahnlänge in zwei Richtungen verantwortlich. Die Mehrzahl der Einsätze auf der Autobahn entfallen seither auf Verkehrsunfälle, Fahrzeugbrände und auf Einsätze mit auslaufendem Öl oder Treibstoff. Bei einer Vielzahl von Unfällen ist zur Rettung Eingeklemmter, oder zur Bergung von Opfern, der Einsatz von hydraulischem Rettungsgerät von dringender Notwendigkeit. Zu jener Zeit war ein hydraulischer Rettungssatz mit Rettungsschere und Spreizer auf dem heutigen GW auf Ford Transit Basis verlastet. Im Jahre 1989 konnte noch ein weiteres neues Fahrzeug in Dienst gestellt werden:

 

Ein VW T3 Transporter mit Ladepritsche, der mittlerweile durch einen Tausch innerhalb der VG-Wehren ersetzt wurde und zu vielfältigen Einsatzzwecken dient.

 

 

"Die neunziger Jahre"

Die sich komplizierter als erwartet darstellenden Bauarbeiten an der neuen Feuerwache machten eine Einweihung erst zum 30. November 1991 möglich. Die Baukosten beliefen sich bis zur Fertigstellung auf knapp 4 Mio. DM. Der Bau bietet Platz für 14 Fahrzeuge, wovon eine Stellfläche mit einer Arbeitsgrube ausgestattet ist. Die Wache bietet zwei Wohnungen für Angehörige der Feuerwehr mit Sonderfunktionen. So bewohnt heute der Leiter der Atemschutzwerkstatt der Verbandsgemeinde Wörrstadt mit seiner Ehefrau die eine und der Hausmeister der Feuerwache mit Familie, die andere Wohnung. Insgesamt wohnen momentan fünf aktive Feuerwehrkameraden in der Wache.

 

Unterrichtsraum

 

Die Atemschutzwerkstatt der Verbandsgemeinde Wörrstadt hat ihren Sitz in der neuen Feuerwache. Hier werden alle Pressluftatmer, Flaschen und Atemschutzmasken zentral erfasst, gereinigt, geprüft, gefüllt und verwaltet. Im 1. Stock der Feuerwache befindet sich ein großzügig dimensionierter Unterrichtsraum, in dem nicht nur wehrinterne Ausbildungen und theoretische Übungselemente vermittelt werden: Immer häufiger finden hier auch Lehrgänge auf Kreisebene statt. Nicht selten werden diese Lehrgänge  durch der Wörrstädter Wehr angehörigem Ausbildungspersonal geleitet.

 

Weitere Kernmerkmale der neuen Wache sind die Funkeinsatzzentrale zur Koordination der Hauptzahl der Einsätze die von den Feuerwehreinheiten der Verbandsgemeinde gefahren werden. Sie verfügt über mehrere Funksysteme, Funkalarmgeber, drahtgebundene Telekommunikations­systeme wie Fax und Telefon und über einen modernen Einsatzrechner mit fachbezogener Software. Ein weiteres Kernmerkmal der Feuerwache Wörrstadt ist die große Wasch halle mit ausreichend Fläche zum Reinigen der großen Fahrzeuge. In die Waschhalle integriert ist eine Schlauchreinigungs- und Prüfanlage.

 

Ergänzt werden diese Kernfunktionen durch einen Aufenthalts- und Gastraum, die "Floriansstube" , der Umkleide- und Duschräume und durch mehrere Lager- und Versorgungsräume. Anfang des Jahres 1992 wurde ein Löschgruppenfahrzeug LF8/6 mit 6301 Wassertank und Platz für eine gesamte Löschgruppe von neun Kameraden angeschafft. Das auf Mercedes-Benz aufgebaute Fahrzeug wiegt exakt l,49t und ist daher mit der alten Führerscheinklasse 3 fahrbar. Kurz darauf folgte dem LF8/6 ein ELW1 auf Volkswagen T4 Transporter in die Fahrzeughalle der Freiwilligen Feuerwehr Wörrstadt. Im Juli 1992 schaffte man dann einen mit höchster Dringlichkeit benötigten Rüstwagen (RW1) an. Das Allradfahrzeug auf Mercedes-Benz Unimog Fahrgestell wurde mit einem hydraulischen Rettungssatz ausgeliefert. Der bisher in Wörrstadt eingesetzte Rettungssatz konnte daher einer Nachbarwehr überlassen werden. Alle drei Fahrzeuge sind heute noch aktuelle Einsatzfahrzeuge der Freiwilligen Feuerwehr Wörrstadt

 

Greim

 

Im Jahr 1995 feierte der langjährige Wehrführer Fritz Scheidt seinen sechzigsten Geburtstag. Nach fast 30 Jahren als Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Wörrstadt, schied er aus dem aktiven Dienst der Feuerwehr aus. Seinem Lebenswerk bei der Feuerwehr Wörrstadt wurde kurz darauf mit der Ernennung zum Ehrenwehrführer im Rahmen der Möglichkeiten Rechnung getragen. Bei den fälligen Neuwahlen setzte sich Ewald Schirrmacher gegen seinen Mitbewerber durch. Nach der feierlichen Ernennung zum Wehrführer durch den Verbandsbürgermeister übernahm er sogleich die Führung der Wehr.

 

In den ersten Jahren der "Neunziger" explodierten die Einsatzzahlen der Freiwilligen Feuerwehr Wörrstadt: War man 1992 noch zu "nur" 42 Einsätzen gerufen worden, so stieg die Zahl bis 1998 auf 159 Einsätze an. Insgesamt muss man Rückblickend die "Neunziger" als die Dekade der großen Katastrophen bezeichnen: Nie zuvor hatte die Wehr Wörrstadt so viele schwere und tragische Einsätze zu fahren wie zwischen 1990 und dem Jahr 2000. Nachfolgend einige exemplarische Beispiele:

 

Am 19.Februar 1994 brannte eine der größten Offset-Druckereien der Welt, die Werkshalle der Jean Greim GmbH in Wörrstadt nach einem technischen Defekt bis auf die Grundmauern nieder. Erst am 18. März waren die Nachlöscharbeiten beendet. Bei den Löscharbeiten wurden mehrere Kameraden Verletzt und an vielen der eingesetzten Geräte und der Fahrzeuge entstand durch die große Kälte oder das Glatteis Sachschaden.

 

Im September und Oktober des Jahres 1996 legte ein geisteskranker, pyromanischer Altenpfleger in den Räumen des Altenwohnheims der Arbeiterwohlfahrt in Wörrstadt insgesamt drei Feuer, bei denen insgesamt sechs Heiminsassen getötet wurden. Zweimal musste der gesamte Bau inklusive der Stationen mit bettlägerigen Patienten unter schwerem Atemschutz evakuiert werden. Nie zuvor musste die Freiwillige Feuerwehr so viele Opfer aus einem Objekt retten und bergen, wie bei dieser Brandserie.

 

Als Resultat dieser Brandserie und ihrer tragischen Folgen und insbesondere auf enormen Druck der Öffentlichkeit, wurde 1997 eine gebrauchte Drehleiter vom Typ DLK 23/12 beschafft. Sie ist seitdem fester Bestandteil der Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr Wörrstadt bei Brandalarm.

 

Am 4. März 1998, vollzog sich bei Wörrstadt ein folgenschweres Naturschauspiel: Nach einer längeren niederschlagsfreien Periode und aufgrund der Tatsache, dass im März viele Ackerflächen gepflügt oder geeggt sind und damit frei liegen, konnte der stark aufkommende Südwestwind mehr und mehr der trockenen Lößauflage anheben und zu riesigen Staubwolken auftürmen. Schon am frühen Morgen ragten viele dieser Staubsäulen überall um Wörrstadt in den Himmel. Gegen Mittag wurde der Wind immer stärker und entwickelte sich zu annähernder Sturmstärke. Kurz nach 13Uhr wurde die Feuerwehr Wörrstadt auf die Autobahn A63 zu einem Verkehrsunfall gerufen.

 

Massenunfall

 

Das Szenario, welches sich dort bot, wird keiner der Beteiligten jemals vergessen: Die Unfallsteile lag inmitten einer der Staubwolken. Eine anfangs völlig unübersichtliche aber offensichtlich hohe Zahl an Fahrzeugen war am Unfall beteiligt. Die hydraulischen Rettungsgeräte waren lange Zeit im Dauereinsatz. Aus vielen der insgesamt 43 beteiligten Fahrzeugen mussten Personen befreit werden. Nur einige konnten sich selbst befreien. Die Rettungshubschrauber Christoph 5 und Christoph 77 flogen im Pendelverkehr. Der Sachschaden war immens. Doch alle Beteiligten hatten Glück im Unglück: Niemand wurde in diesem Massenunfall tödlich verletzt.

 

 

Das Jahr 2000

Den Jahrtausendwechsel in das Jahr 2000, der ja astronomisch gar nicht der tatsächliche Jahrtausendwechsel war, verbrachten viele der Wörrstädter Kameraden im Dienst in der Feuerwache. Die Sicherheitsaufgaben erstreckten sich bis 3Uhr am Neujahrstag. Doch bekanntlich verlief die Silvesternacht weitgehend ruhi\1, da nur wenige relevante Computersysteme und Softwareprodukte dem Jahrtausend-Bug zum Opfer gefallen waren. Kurz nach 3Uhr an Neujahr konnten dann auch die Kameraden in der Feuerwache den Beginn des neuen Jahres mit einem Glas Sekt feiern. Anlässlich einer Übung im Jahre 1999, hatte Wehrführer Ewald Schirrmacher seinen Rücktritt aus dem Amt des Wehrführers zum 1. Juli. 2000 verkündet. Sofort begann die schwierige Suche nach einem geeigneten und vor allem der Verantwortung und dem hohen Arbeitsaufwand gewachsenen Wehrführer für die Freiwillige Feuerwehr Wörrstadt. Nur wenige Tage vor Ablauf von Schirrmachers Frist, waren Neuwahlen angesetzt. Der als einziger Kandidat angetretene Helmut Scheidt, wurde mit überwältigender Mehrheit zum neuen ,,1.Mann" der Wehr Wörrstadt gewählt. Nur wenige Tage danach wurde Ewald Schirr­macher feierlich aus seinem Amt verabschiedet. Er bleibt der Wehr Wörr­stadt weiterhin als aktiver Kamerad und Kommandomitglied erhalten. Noch am gleichen Abend wurde Helmut Scheidt feierlich in sein Amt erhoben. Rettungssatzes, konnte der Fahrzeugpark um einen Transportanhänger erweitert werden. Im Einsatzfall dient er vornehmlich zum Transport von Ölbindemitteln und zusätzlich benötigtem Material. Das Einsatzjahr 2000 war für die Freiwillige Feuerwehr Wörrstadt geprägt durch mehrere Wettereignisse mit starkem Sturm und hohen Niederschlagsmengen in kurzer Zeit. So wurde mehrmals eine Vielzahl von Einsätzen in nur einer Nacht notwendig: Umgestürzte Bäume, abgebrochene Äste und überschwemmte Keller waren die Folge dieser Wetterkapriolen. Zu den schwersten Einsätzen des Jahres 2000 muss man wohl einen Verkehrsunfall zwischen Wörrstadt und Sulzheim zählen, beidem trotz des Einsatzes der beiden regionalen Rettungshubschrauber eine junge Motorradbeifahrerin ums Leben kam. Ebenfalls tödlich endete der Unfall eines Mannes, der mit seinem Fahrzeug eine Kollision mit einem Triebzug der Bahn AG am Wallertheimer Bahnübergang hatte. Trotz einiger weiterer Einsätze mit Toten und Verletzten, kann man das Einsatzjahr 2000 für die Freiwillige Feuerwehr Wörrstadt als eher ruhig charakterisieren.

 

 

Aktueller Stand

Wehrführer Helmut Scheidt und sein Stellvertreter Herbert Schmitt stehen einer äußerst gut ausgebildeten und durchstrukturierten Wehr vor: Mit ihnen stehen in der Wehr Wörrstadt zehn Kameraden in Führungsrängen. Zwei weitere werden noch in diesem Jahr zum Führungskreis hinzustoßen. Die Hauptstärke der Freiwilligen Feuerwehr Wörrstadt liegt im hervorragenden Ausbildungsstand, gerade der jüngeren Kameraden: Fast jeder Kamerad der aus der Jugendfeuerwehr entstammt, hat alle Lehrgänge auf Kreisebene erfolgreich abgeschlossen. Dazu zählen neben der Grundausbildung und der Truppführerausbildung, der Maschinisten­lehrgang, der Sprechfunkerlehrgang, der Atemschutzgeräteträgerlehrgang und der Kettensägenlehrgang. Zusätzlich besitzen einige Kameraden spezielle Fähigkeiten, die in Lehrgängen wie Technische Hilfe, Information und Kommunikation, Gerätewart, Öffentlichkeitsarbeit und andere, von der Landes Feuerwehr- und Katastrophenschutzschule Koblenz, oder von autorisierten Firmen und Konzernen vermittelt werden. Nicht zu vergessen sind hierbei noch Lehrgänge, die spezielle Arbeitsbereiche der Feuerwehr exklusiv betreffen: Um Beispielsweise in der Atemschutzwerkstatt effektiv tätig werden zu können, ist eine ganze Reihe von Ausbildungen auf unterschiedlichen Ebenen notwendig. Zusätzlich zu den typischen Feuerwehrtechnischen Ausbildungen müssen alle Kameraden immer wieder ihre Kenntnisse im Bereich der medizinischen Erstversorgung unter Beweis stellen. Des weiteren müssen bestimmte Funktionen, wie z.B. Atemschutzgeräteträger, in regelmäßigen Abständen zu medizinischen Untersuchungen und zu Testläufen auf Atemschutzübungsstrecken, um ihre Eignung als Träger zu beweisen. Hier wird schon deutlich welch große zeitliche Belastung auf die Feuerwehrkameraden gerade in Wörrstadt zukommt. Neben der Zeit in Ausbildungen kommen jährlich noch mindestens 75 weitere Stunden in der geregelten internen Ausbildungen am Gerät, am Objekt, oder in der Theorie hinzu, die als Übungen in einem Jahresplan als Pflichtveranstaltungen gekennzeichnet sind. Gerade die Kameraden in Sonderfunktionen wie Wehrführung, Atemschutzwerkstatt, Gerätewarte und Öffentlichkeitsarbeit leisten zusätzlich immense freiwillige Stunden in ihren Fach- und Aufgabenbereichen, wodurch sich eine kaum nachvollziehbare Summe als Gesamtbelastung an immensem Zeitaufwand und physischer bzw. psychischer Belastung bei Übungen und Einsätzen ergibt.

 

Viele Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehr Wörrstadt verrichten des weiteren noch ihren Wehrdienst im Löschzug der Verbandsgemeinde Wörrstadt, einem Zug des Katastrophenschutzes. Auch hier werden mindestens 150 absolvierte Jahresstunden in Übungen und Einsätzen als Minimum verlangt. Zu diesen Übungen und Ausbildungen kommen noch Sonderveranstaltungen, wie die jährliche vorgeschriebene Sicherheits­belehrung, der Tag der offenen Tür und weitere oftmals sehr arbeitsintensive Veranstaltungen in der Wehr hinzu. Doch auch der wichtigste und existentielle Grund für das Aufstellen einer Feuerwehr nimmt immer mehr Zeit in Anspruch: Die Einsätze.

 

Seit dem Bau der neuen Feuerwache in der Pariserstraße sind die Einsatzzahlen ständig, und gerade zu Anfang explosionsartig, gestiegen. In den letzten Jahren zeichnet sich die folgende Situation als Dauerzustand ab: Bei einer angenommenen homogenen Verteilung über das Jahr, würde die Freiwillige Feuerwehr Wörrstadt im Schnitt etwa jeden zweiten Tag einmal zu einem Einsatz ausrücken müssen. Da man Einsatzfälle und Zeiten niemals Planen oder Vorhersagen kann, kommen diese für den Kameraden oft zu den unpassendsten Momenten: Im Tiefschlaf, unter der Dusche, auf Geburtstags- und auf Hochzeitsfeiern, auf der Toilette, beim Einkaufen und immer häufiger in der Arbeitszeit. Nehmen viele dieser Momente "nur" Einfluss auf persönliches, wie Zeiteinteilung, Schlaflänge oder Wohlbefinden, so ist bei der Arbeitszeit immer auch daran zu denken, dass nicht nur der Aktive seine Arbeit für gewisse Zeit im Stich lässt, sondern dass auch der Arbeitgeber dies akzeptieren muss. Dies stellt ein immer größer werdendes Problem dar, von dem wir in Wörrstadt durch die hervorragende Kooperationsbereitschaft vieler Arbeitgeber nicht so stark betroffen sind, wie viele andere Wehren. Hier gilt der besondere Dank den kompetenten Arbeitgebern, die verstehen wie enorm wichtig die Freiwillige Feuerwehr Wörrstadt für das Gemeinwohl in unserem Ort und die Freiwilligen Feuerwehren im allgemeinen in unserem gesamten Staat sind. Damit dies auch weiterhin so bleibt und die Freiwillige Feuerwehr Wörrstadt auch den zukünftigen Aufgaben, z.B. durch die Fertigstellung der A63 von Mainz bis Kaiserslautern als neue Großachse des europäischen Schwerlast- und Gefahrgutverkehrs, gewachsen ist, sind neue Investitionen, insbesondere in den Fuhrpark, auf den Träger der Freiwilligen Feuerwehr Wörrstadt gekommen. Doch mit ziemlicher Sicherheit und aus nunmehr über 75-jähriger Erfahrung kann man behaupten, dass auch in den Verwaltungen und Entscheidungsinstanzen immer wieder, mal schneller, mal langsamer, Menschen mit Weitblick Notwendigkeiten erkennen und auch solche Anschaffungen befürworten. Dies wird nicht zuletzt durch die geplante Anschaffung einer neuen DL23/12 bestätigt, die unsere derzeitigte DL23/12 ablösen soll, da Kosten für Instandsetzungsarbeiten inzwischen nicht mehr kalkulierbar werden.